Gedanken machen – „mach Dir nicht immer so viele Gedanken“

Menschen, die mich besser kennen, gibt es kaum welche. Aber die Menschen, die mich dann doch kennen, sagen mir oft, ich soll mir nicht „immer so viele Gedanken“ machen. Mein Psychologe sagt das mehr oder weniger auch so.

Es kommt immer irgendwie darauf an, wie man das definiert. Ich kann das halt nun mal besonders gut. Mir Gedanken machen. Warum sollte man mit etwas aufhören, was man besonders gut kann?

Ich glaube, dass es eher das Problem ist, dass ich meine Gedanken nicht sinnstiftend weitergeben kann. Mir fehlen schlicht die Leser bzw. die (neutralen) Zuhörer. Zumindest seit ich nicht mehr als Dozent bzw. Trainer unter anderem als Berater für berufliche Weiterbildung, Ausbildung und dergleichen mehr arbeiten kann, sind viele Adressaten weg gefallen. Nicht nur die Klienten sondern auch die Kollegen und die Vorgesetzten. Ein weiterer Teil ist weggefallen, als ich die Kneipenbesuche auf Null reduziert habe. Das waren dann sicher meistens weniger geeignete Menschen für tiefere Gedanken aber das eine oder andere mal hat das gut geklappt. Meine ehrenamtliche Tätigkeit als Handballtrainer hat mir auch so manch gutes Gespräch beschert und als Musiker habe ich viele Menschen kennen gelernt mit denen ich besser oder schlechter philosophieren konnte. Alles nicht immer auf dem gleichen Niveau aber durchaus von allem etwas abdeckend. Da war ich flexibel und durchaus fähig die entsprechenden Gedanken an der richtigen Stelle zu diskutieren.

Ich bin ein „Stammtisch-Philosoph ohne Stammtisch…“
So drücke ich das gerne aus. Es gibt kaum ein Thema, zu dem ich mich nicht gerne mal austauschen würde. Sehr oft ohne eigene Meinung. Ohne Wissen keine Meinung … aber an ein Thema herantasten ging eigentlich immer. Der Philosoph hinterfragt alles und jeden und leider (oder glücklicherweise?) oft auch sich selbst.

Gedanken machen, mit anderen teilen und ohne Wertung darüber sprechen. Gedanken einfach Gedanken sein lassen aber nicht alleine. Ich kann mir über alles mögliche Gedanken machen. Da gibt es meine eigenen Befindlichkeiten genauso, wie der „Weltfrieden“ oder der gleichen mehr. Aus „Gedanken machen“ wird schnell „Sorgen machen“. Der Übergang ist fließend. „Sich Sorgen machen“ ist aber grundsätzlich auch nichts schlimmes, wenn es nicht permanent zur Blockade führt sondern auch ein Wechsel in den Gedanken statt findet. Zu viele Sorgen werden zur Belastung.

Dass hier mein Problem liegt, ist mir bekannt. Nur die Lösung daraus nicht. Einfach aufhören sich Sorgen zu machen würde dazu führen, aufzuhören sich Gedanken zu machen. Um mich selbst und um andere. „Sich sorgen“ ist grundsätzlich nichts schlimmes. Das richtige Maß zu erreichen ist wohl das schwierige daran. Ohne Menschen um einen herum, die einen guten Kompass bieten, ist das schwer… belastend und krank machend.