Gedanken machen – „mach Dir nicht immer so viele Gedanken“ Teil 2

„Wie ein Wochenende so schnell vorübergehen kann und obwohl es eigentlich schön war, ist es leider zu oft und plötzlich wieder schlecht. Wenn die Gedanken die Macht ergreifen, wird alles andere ruhig gestellt. Die Schmerzen werden automatisch schlimmer und die Laune wird schlechter. Wut und Trauer vermischen sich und können nicht mehr auseinander gehalten werden. Gedanken sind äußerst mächtig.“

Wenn es heißt: „Gedanken machen“ impliziert das, dass man sich seine Gedanken selbst „machen“ kann. Nein, die kommen einfach. Man ruft sie nicht herbei und beschwört auch bewusst selbst keine bösen Gedankenmonster. Sie kommen einfach so… allerdings gehen sie auch meist einfach so wieder. Krank ist es nur dann, wenn eine negative Bewertung der Gedanken ins reale Leben übergeht und das tun und handeln bestimmt. Es ist die Bewertung der Gedanken, die man theoretisch selbst beeinflussen kann. Sicher gibt es auch Gedanken, die man sich „macht“. Wenn zum Beispiel etwas geplant werden muss, ist es durchaus sinnvoll, sich entsprechend Gedanken darüber zu machen. Das sind aber gute Gedanken.

Einen Großteil der Gedanken „machen“ wir uns aber nicht bewusst in dem Moment, in dem wir sie denken. Diese Gedanken können gute und schlechte sein. Spontane Einfälle, bzw. Ideen, sind durchaus positiv und können „weiter gedacht“ werden. Handelt es sich um schlechte Gedanken, wie beispielsweise Selbstvorwürfe und Selbstzweifel oder vielleicht einfach nur der Gedanke daran, dass man in einem bestimmten Fall „gescheitert“ ist und deshalb ein schlechter Mensch ist, dann ist die Bewertung dieser Gedanken wichtig.

Schauen wir genauer auf das Scheitern. Scheitern gehört zum Leben dazu. Nur wer nichts tut, kann nicht scheitern. Nichts tun ist also eine Option oder eben keine Option. Nichts tun geht eine gewisse Zeit. Auf Dauer nur, wenn man starke Medikamente nimmt, die einen so sehr bremsen, dass man weder etwas tun möchte, noch sich darüber ärgern kann, dass man nichts getan hat. Nichts tun geht auch, wenn man es gelernt hat „nichts“ zu tun. Das ist nämlich gar nicht so einfach. Es klappt wohl, wenn man beispielsweise meditiert und sich frei von allem macht. Dann tut man aber eigentlich auch etwas, nämlich meditieren. Zumindest, bis man dann wirklich nicht tut.

Leider ist Essen sehr leicht und ist in den meisten Fällen immer möglich. Dann würde man auf beispielsweise auf dem Sofa sitzen und vermeintlich nichts tun, während man Fern sieht und etwas isst. Diese Kombination führt dann zu Übergewicht, Krankheiten und wirklich… in dem Moment ist das vollkommen egal. Es ist dann umgangssprachlich „nichts tun“. Aber ich schweife ab…

Ein bewusst erlebtes Scheitern an sich ist nichts schlimmes. Man hat etwas getan, einen Versuch gewagt. Es hat nicht geklappt. Menschen, die nicht an einer Depression in/oder einer Angststörung leiden, nehmen das Scheitern als Anlass, es einfach noch einmal zu versuchen oder etwas anderes zu probieren. Bei psychisch entsprechend erkrankten Menschen, ist das ein Weltuntergang. Insbesondere die Gedanken nach dem Scheitern sind demnach die, die man anders bewerten müsste. Der Blickwinkel ist entscheidend. Das ist übrigens meiner Meinung nach alles erlerntes Verhalten.

Die Reparatur der Bremsen an einem Auto klappt nicht. Das Werkzeug ist nicht das richtige, dass hätte man vorher wissen können. Angefangen und während der Arbeit bemerkt man seinen Fehler und es geht nicht weiter. Das Auto muss also doch in die Werkstatt.

Man ist hier also gescheitert.
Eine positive Bewertung der darauf folgenden Gedanken „Ich bin gescheitert“ wäre hier: „Ich habe es versucht. Dabei habe ich festgestellt, dass mir das richtige Werkzeug fehlt. Es ist gut, dass ich es versucht habe, die Chance auf eine Ersparnis war ja da, es hat eben nicht geklappt. Kaputt gemacht habe ich nichts, die Kosten für die Werkstatt sind also durch mein Scheitern nicht größer geworden. Den Versuch war es also Wert. Ich habe eine Erfahrung gesammelt, die ich später wieder verwenden kann. Entweder ich bereite mich das nächste mal entsprechend auf die Reparatur vor, ich weiß ja jetzt, was mir gefehlt hat, oder ich gebe das Auto gleich in die Werkstatt. Alles ist gut.“

Die negative Bewertung wäre in dem Fall, dass man ein Versager ist. „Ich habe es nicht geschafft. Ist auch klar, denn ich schaffe nie etwas. Es ist alles schlecht. Ich bin einfach ein schlechter Mensch. Dass das nicht kappt, hätte ich mir ja denken können“… und vieles dergleichen mehr.

In der Theorie ist es also vollkommen klar, was man mit Gedanken über das Scheitern anstellen kann. Die Praxis sieht bei psychisch kranken Menschen leider anders aus. Und das schlimmste daran ist, dass die psychisch kranken Menschen das vielleicht sogar wissen, weil sie das theoretisch in verschiedenen Therapien schon „gelernt“ haben und die Situation trotzdem nicht positiv oder wenigstens neutral bewerten können. Das Wissen zu haben, bedeutet noch lange nicht, auch entsprechend zu handeln.

Die Gedankenspirale wird in Gang gesetzt und zieht den Menschen runter.

Selbst wenn durch viele Therapien und ja auch durch viele „Gedanken zu dem Thema“, die negative Gedankenspirale schneller durchbrochen werden kann als vielleicht vor den Therapien, so kostet dieser Vorgang dann doch immens viel Zeit im Alltag. Das kann durchaus ein Grund sein, dass diese erkrankten Menschen, nicht mehr voll arbeitsfähig sind oder gar komplett Arbeitsunfähig sind. Die Zeit, der schlechten Gedanken, verschlechtert somit nach und nach die Qualität und Quantität der eigenen Arbeit.

Medikamente und Psychotherapien können helfen. Je früher man seine Erkrankung erkennt und behandeln lässt umso besser sind die Chancen auf Heilung. Und wenn nicht auf Heilung, dann wenigstens auf Selbstakzeptanz, was dann auch wieder die Zeit der schlechten Gedanken verkürzt und man eventuell dann wieder am Arbeitsleben teilnehmen kann.

Jetzt bleibt nur noch die Frage warum man „krank“ geworden ist oder es schon immer war. Die Psychologie und Psychiatrie bietet hier eine ganze Menge möglicher Ursachen. Ich fasse diese nur kurz zusammen. Körperliche Ursachen, wie zum Beispiel hormonelle Ursachen und so weiter oder rein psychische Ursachen, wie zum Beispiel der Tod einer nahe stehenden Person, Arbeitsplatzverlust oder ein so genannter Burn Out. Körperliche Ursachen sind endogene Depressionen. Psychische Ursachen, also Reaktionen auf bestimmte Anlässe, sind reaktive Depressionen.

Mittlerweile ist bekannt, dass der Körper den Geist bestimmt und umgekehrt. Demnach sind endogene und reaktive Depressionen nach einer unbestimmten Zeit nicht mehr einzeln als Krankheit zu fassen. Das ist schlecht, denn die Behandlung erschwert sich dadurch, je länger die Krankheit andauert.

Frage:
Endogene Depressionen lassen sich meist gut mit Medikamenten behandeln. Hier werden psychotherapeutische Ansätze begleitend zur Medikamentösen Behandlung durchgeführt. Reaktive Depressionen werden mit Psychotherapie behandelt und die Medikamente unterstützen diese Therapie. Ist das dann wirklich so oder denke ich da gerade falsch?